Einmal mehr spielte sich auf Rheinbaben ein wahrer Thriller ab. Der SV Fortuna feierte nach einem 0:3-Rückstand mit dem 3:3 (0:2) gegen den Tabellenführer Blau-Weiß Dingden einen mehr als verdienten Punkt. Was fast eine Stunde lang wie eine klare Angelegenheit zugunsten des Ligaprimus ausgesehen hatte, entwickelte sich zu einem hochspannenden Fußballspiel, bei dem die Fortunen mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit ein sportliches Happy End erlebten.

Das Trainerduo Sebastian Stempel und Christian Schmidt brauchte ein paar Minuten, um sich zu fassen. „Die Jungs zeigen einen unbändigen Kampfgeist, irgendwie geben sie einfach nicht auf. Das macht es für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen. Das haben wir in allen Heimspielen gegen die Teams von der Tabellenspitze gesehen, gegen den SC 1920, Hamborn und jetzt eben auch Dingden“, so Stempel, der sich allerdings auch über die Gegentore der ersten Halbzeit ärgerte. „Wer weiß, was ohne diese Treffer drin gewesen wäre.“ Zur Halbzeit lagen die Gäste aus Hamminkeln aufgrund der Spielanteile verdient in Front. Allerdings gingen dem 0:1 (16.) und dem 0:2 (31.) vermeidbare Fehler der Fortunen voraus. „Wieder so ein unnötiger Freistoß“, wetterte Stempel nach dem Treffer von Kevin Juch, dessen Schuss im Winkel des Fortunatores landete. Keeper Danny Große-Beck war zwar noch am Ball, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. Ärgerlicher noch lief es beim zweiten Gegentor, als ein Pass von Kevin Wenderdel auf Jan Kania viel zu kurz geriet; Sebastian Kamps nahm das Geschenk dankend an und tunnelte Große-Beck. Gute Chancen ließ Dingden (27., 35. Minute) jedoch liegen.

Trotz aller Bemühungen um den Spielaufbau kam die Fortuna in der ersten Halbzeit kaum zu gefahrbringenden Angriffen. In der 37. Minute reagierte Blau Weiß-Schlussmann Johannes Buers bei Dominik Wenderdels Schuss aus spitzem Winkel sicher. Erst nach Wiederanpfiff setzten die Fortunen deutliche Akzente im Spiel nach vorn – was Dingden Räume verschaffte. Aus einem Freistoß für Fortuna wurde ein Bumerang, doch Dingdens Angriff endete am Pfosten (46.). Besser machten es die Gäste in der 54. Minute: Aus gut 20 Metern zog Timo Holtkamp einfach mal ab und stellte auf 0:3. Die Entscheidung?

Davon wollten die Fortunen nichts wissen. Mit dem wohl schönsten Spielzug der gesamten Partie, beginnend bei Thilo Grollmann, über Kevin Wenderdel und Gino Pöschl, landete der Ball bei Emre Kilic, der auf 1:3 verkürzte (57.). Von nun an fand Dingden nicht mehr statt, die Fortunen hielten das Heft fest in der Hand und erspielten sich einige Möglichkeiten. In der 76. Minute wurde Dominik Wenderdel bei einem Kopfball unsportlich gestört, Kevin Wenderdel verwandelte gewohnt sicher.

Wettlauf mit der Zeit

Fortunas Aufholjagd wurde zum Wettlauf mit der Zeit. In der dritten Minute der Nachspielzeit brachte Emre Kilic den Ball in der Strafraum der Blau-Weißen. Die bekamen den Ball nicht aus der Gefahrenzone – und schließlich landete der Ball im Tor. Einige hatten Kilic zuletzt am Ball gesehen, Schiedsrichter Dennis Rohde wertete das 3:3 als Eigentor. Doch die Statistik interessierte nach diesem furiosen Endspurt ohnehin keinen mehr.

Zuschauer will den Ball nicht rausrücken

Da platzte Sebastian Stempel der Kragen: Als ein Dingdener Zuschauer in der Schlussphase den Spielball nicht rausrücken wollte, kam es zwischen dem Trainer und dem Zuschauer zu einer Auseinandersetzung.

Besonnene Spieler beider Seiten und schließlich der Unparteiische nahmen den Druck aus der Situation. „Ich hasse solche Unsportlichkeiten, aber ich darf da natürlich nicht so reagieren“, sagte Stempel und lobte den Schiedsrichter. „Er ist da ganz sachlich mit mir umgegangen.“

Bericht: Birgitt Schuknecht, WAZ Bottrop